Geschichte des Gebäudes
Anbindung zwischen Demmin und Greifswald
Das Restaurant befindet sich im ehemaligen „Bahnhof Loitz“. Von 1844 bis 1906 haben die Loitzer um ihren Anschluss an die große weite Welt kämpfen müssen. Obwohl das preußische Bahnnetz zur Jahrhundertwende immer dichter wurde, fuhren die Züge an Loitz vorbei. Die nächsten Bahnhöfe waren in Demmin, Greifswald oder Grimmen. Heute in nur ca. 20 Minuten Autofahrt erreichbar, waren sie um 1900 fast eine Tagesreise entfernt. Den städtischen Kaufleuten gefiel das, denn die Kunden blieben in der Stadt. Die Fabrik- und Gutsbesitzer dagegen wussten, dass ihre Betriebe nur mit einem Bahnanschluss erst so richtig in Schwung kommen würden. Besonders die Stärkefabrik, deren Gebäude noch heute stehen, machte sich für das Projekt stark und stellte auch bedeutende finanzielle Mittel in Aussicht. Das war wohl das Hauptargument, um die Stadtvertreter zu überzeugen.
Gegen den Widerstand der heimischen Kaufleute fiel der Beschluss, dass Loitz eine Bahnanbindung bekommt. Leider kam diese Entscheidung sehr spät. Zu spät. Projekte, dass über Loitz wichtige Querverbindungen (z.B. Demmin - Greifswald oder Tribsees – Greifswald) verlaufen, wurden von der preußischen Regierung, auch wegen der bis dahin mangelnden Bereitschaft der Loitzer Stadtvertreter, verworfen. Lediglich einer Stichbahn, abzweigend von der Zugbegegnungsstelle „ Toitz- Rustow“, wurde zugestimmt. Diese Bahnstation lag einsam im Wald.
Vorbereitung für den Bau
Um 1900 begannen die Vorarbeiten für den Bahnbau. In der Greifwalder Straße wurden zwei Häuser gekauft und abgerissen, um eine Trasse in Richtung Hauptbahn zu ermöglichen. Diese Häuserlücke am ehemaligen Bahnübergang finden Sie noch Heute.
Aufbau des Bahnhofs
Im Oktober 1905 wurden die ersten Schienen verlegt. Große Mengen Füllboden wurden für den Bahndamm im sumpfigen Gelände bei Loitz und im Rustower Kronwald benötigt. Mit dem Bahnbau verschwanden deshalb auch die letzten Reste des Loitzer Schlosses welches einst die Residenz der pommerschen Herzogswitwe Sophia Hedwig war. Im Dreißigjährigen Krieg fast abgebrannt, verkam es in der folgenden Schwedenzeit endgültig zur Ruine. Auf dem freigewordenen Gelände errichtete man den Bahnhof und einen geräumigen Lokschuppen. Es stand fest, dass die benötigte Lokomotive in Loitz stationiert wird. Bereits am 8.September 1906 um 15.00 Uhr befuhr der erste, festlich geschmückte Zug die 7,2 km lange Strecke. Schon bald nannten die Loitzer ihre Bahn liebevoll „Korl Loitz“.
Verwendung der Bahnstrecke
Die Strecke hatte von Anfang an ein hohes Personen- und Güteraufkommen. Pro Tag gab es bis zu acht Fahrten des gemischten Zuges in Richtung Toitz-Rustow und zurück. Schon ein Jahr später mussten deshalb die Gleisanlagen des Bahnhofs erweitert werden. 1916 ließ sich die Stärkefabrik ein eigenes Anschlussgleis legen. Bis dahin wurden die Kartoffeln über eine Lorenbahn aus dem Hafen- und Bahnhofsgebiet abtransportiert. 1925 siedelte sich das Dübel- und Holzwerk an und wurde 1935 ans Bahnnetz angeschlossen. Später folgten noch ein Metallbaubetrieb und ein Getreidehandel. Es gab immer viel zu tun für „Korl Loitz“. Tag für Tag bewegte er im Schichtbetrieb die Wagen im Hafen und auf den Übergabegleisen hin und her, stellte Züge zusammen, hakte noch die Personen- und den Postwagen an und dampfte nach Toitz-Rustow. Von dort kehrte er bald mit neuer Ware zurück und verteilte sie an die Empfänger.

Änderung der Nutzung
Ab 1960 nahmen die Fahrgastzahlen ständig ab. Bus und Auto brachten die Leute schneller
und ohne lange Wartezeiten an ihr Reiseziel. Deshalb wurde der Personenverkehr im Mai 1969
eingestellt. Die nunmehr 7,05 km lange Strecke wurde zum Streckenrangiergleis mit
eigenständiger Güterabfertigung, der Bahnhof wurde zur Verladestelle. Das Aufkommen der zu
transportierenden Güter blieb bis 1989 auf einem hohen Niveau und wurde inzwischen durch
eine kleine Diesellok bewältigt.

Ende der Ära als Bahnhof
Nach 1989 begann das langsame Sterben der Bahnstrecke. Mit der Schließung der großen
Betriebe gab es für „Korl Loitz“ immer weniger zu tun. Als nur noch die Stärkefabrik ihren
Güterverkehr per Bahn abwickelte, wurde die Lokomotive aus Loitz abgezogen. Ab da
verkehrte einmal am Tag ein Zugpaar von Demmin nach Loitz als Rangierfahrt. Der Bahnhof
war dem Verfall preisgegeben. Am 3. Dezember 1997 fuhr dann schließlich der letzte Zug. Auch
die Stärkefabrik schloss ihre Tore. Die Strecke wurde stillgelegt und später aufgegeben. 2005-
2006 erfolgte der vollständige Rückbau der Gleisanlagen.

Restauration und Ausbau als Restaurant
Nachdem das Gebäude viele Jahre nicht genutzt wurde, enschieden sich ehemalige Loitzer dem alten Bahnhof neuen Glanz zu verleihen. Über mehrere Jahre restaurierten sie liebevoll das komplette Gebäude und bewahrten es so vor dem Verfall. Heute beherbergt das Haus "Korl Loitz" das gleichnamige Restaurant. Besuchen Sie das hier beheimatete, regional herausragende Restaurant. Erfahren Sie unmittelbar Geschichte neu verpackt in kulinarischem Gewand.
Quelle: Archiv Horst Triphahn